EifelCycling Team

Bike Festival Assen (Helmut’s Bericht)

Am letzten Wochenende ging es für Ralf Kaltz und mich mit unseren Betreuern Martina und Chris Heck auf nach Assen um an der 12ten Auflage des 24 h Rennens teilzunehmen. Es war mein erstes 24h Rennen außerhalb von Deutschland. Was soll ich euch sagen, es war etwas ganz besonderes. Biken in den radverrückten Niederlanden.
Schon unsere sehr späte Anmeldung beim Veranstalter lief total problemlos ab. In Assen, am Baggelhuizen See, wurden wir sehr freundlich in Empfang genommen und zu unserem Platz geleitet. Geniale Organsation hier. Dann schnell unseren Camper mit Strom versorgt und Quartier fürs Wochenende eingerichtet.
Nun ging’s darum, die Strecke zu testen. Also rein in die Radsachen und los.
Schon auf den ersten Metern haben wir festgestellt, daß es sich hier um eine ganz tolle Strecke handelt. Beim einfahren in den ersten zwei Runden hatte ich die ganze Zeit ein grinsen im Gesicht und es machte total Spaß hier zu fahren. Trail an Trail und Kurve an Kurve, gespickt mit Anlegern, sehr flowig und kaum Höhenmetern. Einfach geil. Aber dazu komme ich gleich nochmal.
Abends früh ins Bett gegangen um für den nächsten Tag fit zu sein. Also, alles in allem, wie bei allen 24h Rennen.
Doch der nächste Tag sollte ganz anders laufen wie alle anderen Rennen dich ich bisher gefahren habe.
Es fing schon beim Start an. Alle mussten ihr Rad am Strand vom Baggelhuizener See einbuddeln und dann ca. 50m zurückgehen. Beim Start hieß es also, laufen bis zum Rad, Rad schnappen und dann weiter bis es sich am Strand fahren ließ. Dann wollten alle Starter auf einen Singletrail einfädeln, auf dem nur Platz für einen Fahrer war. Also staute sich hier alles. Aber nach kurzer Zeit lief alles wieder.
So toll die Strecke am Vortag auf der Testrunde war, im Rennen war auf einmal alles anders. Da die Strecke wie ein schmaler Singletrail angelegt ist, war es sehr wichtig, immer die richtige Linie zu fahren. Alleine, und hochkonzentriert klappt das meistens sehr gut, aber im Rennen mit 600 bis 700 Teilnehmern sieht das schon anders aus. Alle Überholvorgänge waren sehr heikel. Das Andere waren die Bäume die sehr nah an der Strecke standen. Teilweise waren die Trails so eng, daß auf jeder Seite vom Lenker nur maximal 5 cm Platz war. Komischerweise war an diesen Bäumen in Lenkerhöhe keine Rinde mehr. Ich bin auch ein paarmal genau da vorbeigeratscht, aber dort, Gott sei Dank, nie gestürzt.
Nach zwei Runden im Rennen hab ich festgestellt, daß es eigentlich keine Streckenabschnitte gibt, auf denen man sich mal etwas erholen bzw. verpflegen kann. Einzig auf der Durchfahrt durch die Wechselzone konnte man mal mit einer Hand fahren und essen und trinken. Ansonsten hieß es, immer beide Hände am Lenker und schön aufpassen wo und wie man fährt.
Nach sechs Stunden hab ich meinen ersten kurzen Boxenstopp gemacht um mich für die Nacht zu rüsten. Licht montiert, Beinlinge und Langarmtrikot angezogen, mal kurz Pipi gemacht und dann ging es weiter. Zu dieser Zeit fingen an meine Hände weh zu tun. Aaaber… weiter im Kreis fahren und mal sehen was noch alles so kommt.
In der Nacht musste ich mit mir so viele Kämpfe ausfechten wie noch nie. Ich habe mir 1000 Mal die Sinnfrage gestellt, warum nur mach ich das hier, es tut doch alles so weh.
Immer, wenn ich bei meiner Frau oder Chris vorbeikam fragten sie mich, was ich trinken oder essen wollte und wie es mir geht? Ich antwortete immer, ist egal und alles ist okay. Obwohl beide sahen, daß dem nicht so war.
Und wieder ab in den dunklen Wald und schön die Linien fahren und kämpfen. Irgendwann fing ich an zu singen.
Nicht schön, aber laut 😂 : „Frere Jaques, halt die Klappe, dormez vouz, dumme Kuh, hörst du nicht die Glocken …….“ Mir hat es auf jeden Fall irgendwie geholfen über die Runden zu kommen.
Die Schmerzen in den Händen und Oberarmen wurden immer schlimmer. Ich hätte fast alles für ein paar Lenkerhörnchen gegeben, aber es waren keine zu bekommen. Kurz bevor es wieder hell wurde sah ich plötzlich eine Gruppe MTB Fahrer im Wald parken. Ich dachte mir, was ist denn da schon wieder passiert? Aber umso näher ich kam, es war gar niemand da!!! Holla die Waldfee, ich sehe schon Geister. Was ist denn hier los? Unglaublich, aber so eine Situation ist mir in dem Rennen zwei Mal passiert.
Als es am Morgen wieder hell wurde, ging es mir und meinem Kopf wieder etwas besser, nur meinen Händen nicht. Martina und Chris haben mich so toll unterstützt, damit ich immer weiter meine Runden fahren konnte. Ohne die beiden hätte ich in der Nacht nicht weitergemacht.
Und dann erfahre ich, daß ich mittlerweile auf dem 4. Platz liege mit 6 Runden Vorsprung auf den fünften Platz. Hey, das ist Spitze!!! Nach vorne geht nix. Ralf ist Dritter mit zwei Runden Vorsprung auf mich. Boah eh, da bin ich aber super gefahren bis jetzt.
So ab zehn Uhr hab ich angefangen meinen Vorsprung zu verwalten. Mal eine Pause gemacht und die anderen Fahrer beobachtet. Da das Wetter superschön war, hat es richtig gut getan in der Sonne zu sitzen und Hände und Arme zu entlasten. Nach einer Pause bin ich dann immer zusammen mit Ralf Runde um Runde weitergefahren. Nur etwas langsamer als in der Nacht. Von nun an gab’s nur noch das Ziel, so viel zu fahren wie nötig.
Nach der Zieldurchfahrt um 14:00 Uhr fielen Ralf und ich um wie zwei gefällte Bäume. Geschafft!!! Ralf wurde Dritter und ich Vierter. Tolles Teamergebnis und mein persönlicher Sieg gegen mich selbst. Ich war richtig froh vom Rad zu steigen und meinen Schatz in die Arme zu nehmen.
10 Minuten später war die Welt für mich wieder zu 100% in Ordnung, und warum…. Es gab fette leckere Fritten mit dick Mayo und eine superleckere Frikandel. Yeah!
So nun hab ich genug geschrieben und freue mich schon wieder auf die Rennen im nächsten Jahr.

Danke an alle die mich unterstützen. Speziell danke ich meiner Frau, die mich so lange entbehren muß, wenn ich auf dem Rad sitze oder mich sonst irgendwie ums Radfahren kümmere. Danke an Chris fürs betreuen. Danke an Hans Peter Schumacher für das tolle Equipment und die Tipps aus deiner Rennfahrerzeit. Danke an das Eifel Cycling Team Northwave für den Support. Danke an alle die mich während der Rennen via FB und WhatsApp anfeuern.
Danke auch an alle Unterstützer unseres Teams wie Hape Sporthandel, Northwave, Squirt Cycling Products, Sponser, Answer Racing , Vittoria Germany

Ganz vielen Dank an Eddy Reynecke und Cindy En Paul Boer. Ihr seid tolle Veranstalter. Das hier war ein erste Klasse MTB Event. Schade das ihr hiermit aufhört. Ich würde immer wieder bei euch starten. Ihr seid sehr freundlich, hilfsbereit und einfach tolle Typen.
Bedankt u well

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