EifelCycling Team

Torsten’s Rennbericht Night on Bike 2018

„smile and get strong …“

Bevor ich von meinen Erlebnissen berichte möchte ich mich zu allererst bei Sven Schreiber und seinem Hammerevents Team für die wiedermal geilste 24h MTB Veranstaltung bedanken! Wahnsinn was hier jedes jahr auf die Beine gestellt wird und gefühlt das ganze Dorf für 24 Stunden zu einer regelrechten Fanmeile wird! Danke für die 24 Stunden andauernde emotionale Gänsehaut!
Ich kann jedem Mountainbiker empfehlen hier einmal teilzunehmen.

Wie schon die letzten beiden Jahre hatte ich das Vergnügen auch dieses Jahr wieder in der 24h Solokategorie teilzunehmen.
Nach einigen gründlichen und schonungslosen Analysen des Rad am Ring Disasters bei der einige Fehler im Ernährungs Bereich, Mentalem Bereich und Taktik Bereich zur Geltung kamen, hieß es die mentale Vorbereitung auf die Night on Bike besonders zu fokussieren. Ebenfalls wurde die Ernährungstabelle wieder zu erprobten Sachen erstellt. Nur ein paar kleinigkeiten, um für zukünftige mehrtägige Rennen zu testen, wurden verändert.

Wieso ein grober Fehler meine mentalen Vorarbeiten und Denkweisen direkt auf die probe stellen sollte werdet ihr später erfahren. Im Nachhinein bin ich sogar froh dass es so abgelaufen ist.

Dieses Jahr haben wir vom Veranstalter für unser ganzes Team einen genialen Platz direkt vor Start und Ziel bekommen um uns breit mit unserem Lager zu machen. Vielen Dank dafür noch einmal!!
Neben mir als Solofahrer starteten wir ebenfalls mit einem 8er Team. D.h. ein spaßiges Wochenende war quasi vorprogrammiert 🙂 !
Manchmal tun einem die Bauchmuskeln vom Lachen am nächten Tag mehr weh wie die Beine!

So, jetzt aber zum weniger lustigen, zu mir 😉 :
Als Betreuer waren mein Vater,Chris Heck und meine Frau Sarah mit dabei. Und meine Tochter Nora war diesmal ebenfalls als Unterstützung mit am Start  .
Der Start verlief wie eigentlich immer sehr hektisch und schnell. Dadurch dass die Strecke sehr Traillastig ist wollte ich gerade zu beginn relativ weit im vorderem Feld sein. Der Plan war dann nach 1-2 Runden raus zu nehmen und etwas gedrosselter fahren. Da ich noch aus den vergangenen Jahren wusste wieviel Körner die Abfahrten kosten hatte ich mir eine verhaltene Fahrweise fest vorgenommen. Mein Plan war mich an einer Durchschnittsleistung von ca. 250W zu richten.
Ebenfalls war wichtig mir im Hellen jede kritische Kurve, Wurzel, Fahrlinie und potentielle Defekt-teufel wie z.b. Spitze Steine/Dornenbüsche/Glas/Spurrillen usw für die Nacht einzuprägen. Denn ein Defekt oder Sturz kann in einem Rennen das schnelle Aus bedeuten. (Es ist erstaunlich wenn man einmal bewusst darauf achtet wie viele solcher versteckten Gefahren auf der Strecke schlummern! Probiert es einmal aus! )

Gesagt, getan.
Die ersten Runden vergingen auf der abwechslungsreichen Strecke ziemlich schnell und ich kam mit den Streckenverhältnissen und dem nicht zu heißen Wetter gut zurecht. Auch die Getränke und Nahrungsaufnahme funktionierte super und ich pendelte mich ca. um Platz 3 ein.

Ich fühlte mich nur nicht besonders gut.
Irgendwie lief es nicht rund.

Ich bin zwar mittlerweile daran gewöhnt dass mir die ersten Stunden teilweise schwerer fallen, aber diesmal war es noch zäher als sonst. Und das obwohl ich verhältnismäßig ruhiger angegangen bin.
Irgendwie fehlte dieses flüssige, gleichmäßige und druckvolle aber schmerzlose Treten 😞 …

Egal, einfach erstmal so weiterfahren dachte ich mir. Evtl. gehen die Beine ja mit der Zeit noch auf.

Um es vorweg zu nehmen: Nee, die zumindest nächsten ca 18 Std. wird es nicht passieren. Wusste ich aber ja Gott sei dank nicht 😉 !

Nach exakt 3 Stunden bekam ich plötzlich enorme Krämpfe in beiden inneren Oberschenkel. Das ganze Jahr keine Krämpfe gehabt und nun in einem 24h Rennen schon nach 3 Stunden und das trotz relativ geringer Leistung.
Ich konnte es nicht verstehen. (zumindest zu diesem Zeitpunkt noch nicht…)

Die Krämpfe waren wirklich sehr heftig und ich musste mit allen Tricks arbeiten um einen richtigen Endgültigen Krampf zu vermeiden. Ab Stunde 3 fuhr ich am Berg kontinuierlich an der „Krampf-grenze“. Sobald ich aufhörte zu treten bekam ich in dem angewinkeltem Bein ebenfalls die Krämpfe. Ich war extrem gefrustet und hoffte jede Runde dass es besser wird.
Um auch dies vorweg zu nehmen: für die ca. Nächsten 14 Std. sollte es nicht besser werden.

Nach einiger Grübelei woher die scheiß Krämpfe wohl kommen mögen, fiel es mir plötzlich wie Schuppen von den Haaren:
Ich hatte vor 2 Tagen die Sattelposition von „Sattelspitze ziemlich runter“ auf Sattel Waagerecht gestellt. Warum ??? Weil ich aus welchen Gründen auch immer den Geistesblitz hatte die Sattelposition wäre etwas Waagerecht ja evtl. bei „lockeren“ 24h Rennen bequemer…

Ich hätte mir am liebsten selber dermaßen ich den Ar…. getreten!
Ich war stock sauer auf mich! So ein Anfänger Fehler!

Und das beste daran: Bei der Verstellerei habe ich die Schraube vermurkst , und den Sattel gerade noch so fest bekommen.
D.h. auch ein Anhalten und wieder Verstellen war ohne Risiko eines Totalausfalls nicht möglich.

Ab da verschwand auch die Hoffnung dass die Krämpfe wohl nachlassen werden und ich bereitete mich darauf vor die Schmerzen wohl oder übel noch länger aushalten zu müssen.

Aber das schlimmste an der Sache war: meine mentale Motivation wurde immer schlechter. Es waren noch ca. 20 Stunden zu fahren und ich erwischte mich jetzt schon immer wieder bei negativen Gedanken.
Auch Abbruch bzw. Pausen Gedanken waren teilweise dabei. Und dies ist völlig normal/menschlich , aber das schlimmste was einem passieren kann während einem Langausdauer Event!

Ich habe dieses Jahr enorm viel an meiner mentalen Stärke gearbeitet. Habe einige Bücher gelesen, Podcasts gehört und sogar Kontakt zu einer Mentaltrainerin aufgenommen um mich in diesem bereich stetig weiter zu entwickeln. Bei mehrtägigen ultracycling Wettbewerben ist die mentale Stärke mehr als die halbe Miete!

Was habe ich dann gemacht um mich wieder zu motivieren bzw. aus dem negativen Loch zu befreien?
Vieles was ich im letztem Jahr gelesen habe und gedanklich durchgespielt hatte war nun die perfekte Situation um es praktisch anzuwenden.

Ich machte mir bewusst dass ich mindestens ein Ziel brauche. Ein Ziel für die nächsten ca. 19 Stunden welches einen wirklichen Sinn für mich ergab! (Siegen war es zu dem Zeitpunkt nicht mehr.)
Da mein grosser Traum die Teilnahme am Race Across America ist, und dafür mentale Stärke bzw. Belastbarkeit das wichtigste ist, sah ich den Wettkampf ab da als suoer wichtiges mentales Training für meine Zukunft.

Gedanklich betrachtete ich das mentale Leiden als prima Training um mein Durchhaltevermögen zu kräftigen. ( Ja, mentale Stärke kann genauso durch Stress und Erholung trainiert/aufgebaut/verbessert werden wie auch die Kondition und Muskeln! Kein Trainingsreiz/Stress = keine Verbesserung/Anpassung)
Ich machte mir das Ziel bewusst und kaufte mich darauf ein:

Ab jetzt ziehst du es einfach gleichmäßig und gemächlich durch und je beschissener es dir geht, umso mehr kannst du dich über den Trainingsreiz im Kopf freuen!

Das Ziel stand also fest und es ging schon besser. Ich sah die Tiefpunkte mehr als Herausforderung.

Um auch die letzten negativen Gedanken/Gefühle umgehen zu können wand ich folgenden Trick an welchen ich erst kürzlich durch ein super Buch „erlernt“ hatte.

Man kann mit sogenannten Ankern verschiedene Gefühle im Körper auslösen. Negative, aber auch positive. Es ist sehr viel Arbeit und Zeit nötig um sich positive Anker anzutrainieren für solche Tiefpunkte. Ein Beispiel um es verständlicher zu machen:
Ein negativer Anker kann z.b. sein wenn man sich einmal an etwas „übertrunken“ hatte. Der Person geht es dann z.b. automatisch „schlecht“ sobald sie das Getränk riecht, schmeckt oder auch nur daran denkt.
Dies geschieht in der Gehirnhälfte welche bewusst nur sehr schwer gesteuert werden kann.

So kann man aber auch positive Anker antrainieren und bei Bedarf „anwenden“ um den Kopf/Körper in positive Gefühle zu bewegen.
Da ich noch am Anfang dieses Anker Trainings stehe musste ich zu dem nicht extrem effektiven, aber dennoch sehr brauchbaren Anker wechseln welchen man sein Leben lang sowieso schon „trainiert“ hat:

Lachen !

In der Regel lacht man wenn man positive/lustige/fröhliche Stimmung hat.
Da der Kopf so daran gewohnt ist Lachen mit diesen Gefühlen zu verknüpfen wandelt sich das Bild auch automatisch in dieses Gefühl.

Es klingt albern, aber es funktioniert wirklich! Probiert es aus!

Ab da habe ich mich versucht über alles zu freuen! Habe gelacht, gegrinst und spass gehabt. Über eigentlich alles. Ob es die Zuschauer waren, eine geile Abfahrt, über die Musik auf der Alm, über das Wachsen meiner mentalen Stärke, usw. Auf den Fotos sieht man dass ich es wirklich gut hinbekommen habe.😉
Lachen und Essen bekomme ich hin. Dann nur noch en bissl treten und feddisch is das 24h 😉

Anfang der Nacht merkte ich aber dass das ursprüngliche Ziel immer mehr an Bedeutung verlor. Ich musste mir das Ziel irgendwie herausfordernder machen.
Es war ca. Halb 1 nachts, und ich musste seit ca. 2 Stunden dringend pinkeln. Wie immer versuche ich das Pinkeln mit dem ersten Boxenstopp um ca. 1 Uhr zu kombinieren. Das ist der Zeitpunkt an dem der Akku der Beleuchtung leer ist und vom Betreuer gewechselt wird inkl. Kurzer Bikepflege.

Ich nahm mir fogendes wirklich ehrgeizige Ziel vor:
Du hast noch nie ein 24h Rennen ohne Stop gemacht. Heute wirst du das machen!

Du fährst non-stop bis morgen mittag 12:00 Uhr durch. Egal wie schnell, und zur not pinkelst du das erste mal während der Fahrt!

Und es hat geklappt! Den Lampenakku hab ich mir anreichen lassen und während der Fahrt auf einer beleuchteten Strasse getauscht.
Auch die Schmerzen in der Blase wurden komischerweise nachher immer erträglicher. Hatte mich selber gewundert.

Und am Ende lief es sogar wieder richtig gut und ich konnte die letzten 4-5 Stunden noch einmal richtig Gas geben. Ein geiles befreites Gefühl! Ich war stolz dass ich es so durchgezogen hatte und konnte in den letzten beiden Runden sogar noch auf Platz 2 und 1 in der Altersklasse vorfahren und habe es das erste mal geschafft Samstags um 12:00 Uhr in die Pedale einzuclicken und erst Sonntags um 12:00 Uhr auszuclicken.

Gratulation an den verdienten Sieger Jörg Herrmann und meinem Freund Nico Mausch Ultra Cycling welcher ein geniales Rennen und grandiose Saison gefahren hat und das Rennen auf Platz 3 beendete!

Und vielen Dank an meine Top Betreuer Rolf U. Marianne Weber , Chris Heck inkl Sohn und Sarah Weber-Buding welche alles perfekt gemacht haben!

Ich habe lange überlegt ob ich so tiefe mentale Einblicke Beschreiben soll, oder ob ich es besser für mich behalte.

Aber wie ich schon immer gesagt habe:

Ich habe nichts zu verheimlichen und freue mich wenn ich hiermit evtl. auch anderen Sportlern einen Schritt vorwärts bringen kann!

Setzt euch Ziele die euch begeistern und herrausfordern und seht Tiefpunkte als geiles effektives Training für euren Kopf!

#liveyourdream #staystrong #justsmileandkeeppadaling

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